Bessere Meetings – Teil 9. Wie bewerte ich die Körpersprache in Meetings?

Mit diesem Beitrag schliesst sich die Mini-Beitragsreihe „Bessere Meetings“ Unser Thema heute – Körpersprache in Meetings.

„Körpersprache in Meetings ist doch überbewertet. Es zählen doch nur die Inhalte und die gibt der Chef ja doch vor.“ So ähnlich klang vor einigen Tagen die Rückmeldung eines Seminarteilnehmers. Ich schmunzelte in mich hinein, denn seine Körpersprache in unserem Seminar sprach zu mir. Laut und deutlich sagte sein Körper – „das erzählen Sie mal den anderen, auf mich hat das keinen Einfluss, gar keinen, verstanden?“ Verschränkte Arme, gesenkter Blick, auf dem Stuhl hinter dem Tisch verschanzt sprach dieser Mann und seine Nasenlöcher bebten leicht. Viel stärke war jedoch Anspannung in seiner Stimme und die hochgezogenen Schultern zu bemerken.

Podcast: Hören statt Lesen

Nun Körpersprache und die eigene Positionierung in Meetings sind oft aussagekräftiger als viele Verneinungen und Verteidigungen. In diesem Beitrag gehe ich auf fünf Aspekte ein:

 

Was verrät uns die Platzwahl in Meetings?

Wir Menschen sind in vielen Situationen „Gewohnheitstiere“. So auch, wenn es darum geht seinen Platz zu finden. In meinen Studienzeiten, saß ich während der Vorlesung für 6 Jahre fast immer auf demselben Platz und wehe ein Neuling versuchte ihn mir wegzunehmen.

Warum tun wir so etwas? Routine, Gewohnheiten, bekannte Situationen – all das verleiht uns Sicherheit, Geborgenheit und ein Gefühl – des hier fühle ich mich wohl.  Dem mag ich zustimmen, wenn ich mir diese Gewohnheiten selbst ausgesucht habe. In vielen Situationen ist es jedoch so, dass wir Gegebenheiten vorfinden. Aus den unterschiedlichsten Gründen übernehmen wir diese Gegebenheiten dann. Denn meisten Menschen fällt es dann sehr schwer bestimmte Gewohnheiten aufzugeben. So ist es auch in Meetings.

Verschiedene Untersuchungen schauten sich an, wer wo und warum sitzt. Vor einigen Wochen fasste dieser Beitrag  unser Sitzverhalten noch einmal zusammen.

Diese Beschreibung des wer sitzt wo, greife ich in diesem Bild auf. Eine sehr ähnliche Grafik findet sich in fast jedem Seminar, in dem Teilnehmer beschreiben wer wo in ihren Meetings sitzt.

Sitzordnung in Meetings

Rote Figur: Ich bin der Chef und sitze am Kopf des Tisches mit freiem Blick auf Tür.

Rote/Orange Figur: Ich bin nicht Chef, aber auch sehr wichtig und vielleicht ist sein Platz irgend wann mein Platz

Blaue Figur zur Rechten: Ist die rechte Hand des Chefs typischer Jasager – oft ohne eigene feste Meinung.

Blaue Figur zur Linken: Sympathisant des Chefs, stimmt vielem aber nicht allem zu und vertritt auch eigene Meinungen.

Grüne Figuren: Sind Fachleute, Experten eventuell auch externe oder fachübergreifende Berater. Sie sitzen häufig an den Ecken oder Abrunden von Tischen.

Orange Figuren: Sind häufig an der Fensterfront platziert, mittendrin und doch nicht dabei. Wenn es um die Einschränkung von Teilnehmern geht, finden sich hier oft mögliche Vakanzen.

Lila Figuren: Sind oft in der Nähe der Tür oder vor derselben platziert. Tendenziell sind das die „auf die letzte Minute“ Teilnehmer. Oftmals werden Sie zum „Mädchen für alles“ degradiert und übernehmen Laufburschenaufgaben oder Protokolle oder Kaffee, Wasser und Keks
Auffüllfunktionen.

Dunkel orange Figur: Typische Zuspätkommer. Plätze an den Ecken gegenüber dem Chef bleiben häufig bis zum Schluss leer, denn ein Sitzplatz dort wird vielfach als „gegen den Chef“ projiziert.

 

Aufgabe: Bevor Sie aktiv den eigenen Sitzplatz oder die Platzierung Ihrer Teilenehmer verändern, ist es sinnvoll die Sitzordnung zu beobachten. Pro und Kontrapositionen dienen dem Dialog, fördern ihn sogar. Per se sind solche Konstellationen nicht schlecht. Es ist jedoch wichtig um sie zu wissen und damit sie auch die einzelnen Positionen besser evaluieren können.

Als empfehlenswert sehe ich es jedoch an die Idee des Sitzens zu hinterfragen. Müssen wir in allen Sitzungen immer am großen Konferenztisch Platznehmen. Beschleunigen und aktivieren wir Meetings eventuell durch stehende oder gehende Varianten. Gewohnheiten sind gut, wenn Sie Sicherheit geben, Veränderungen sind hingegen notwendig, wenn wir uns auf festgefrorenem Boden befinden.

Welchen Einfluss haben Wortwahl, Tonlage und Körperhaltung in Meetings?

Wortwahl, Tonlage und Körpersprache haben denselben Einfluss auf unsere Glaubwürdigkeit wie in Präsentationen. Oft sind wir uns der Wirkung jedoch nicht bewusst. Sitzend beugen sich viele Menschen nach vorn oder hinten. Damit öffnen oder verschließen Sie ihre Atemwege. Das kann dazu führen, dass wir mit höherer oder tieferer Stimme sprechen. Die Physiognomie, der Einsatz der Muskeln in Bauch und Rücken verändert sich. Automatisch verändert sich unser Sauerstoffverbrauch – welches sich in Denkleistungen niederschlagen kann und die Tonlage unserer Stimme wandelt sich ebenfalls.

Hinzu kommt für viele Menschen fehlt dann das Ventil für das Lampenfieber. Im Stehen oder Gehen bauen viele Menschen automatisch und ohne, dass es ihnen bewusst wird – Erscheinungen des Lampenfiebers durch Bewegung ab. Im Sitzen scheint dies kaum möglich. Es sei denn der Finger oder Stift tappt im Takt auf den Tisch. Der Fuß vollführt Tangotänze unter dem Tisch oder unser Lampenfieber geht Koalitionen mit Haarsträhnen, Kordeln oder Krawatten ein.

Was passiert mit den Körperdistanzen in Meetings?

Körperdistanzen, Distanzen zwischen Menschen, Intimzone 60 cm, persönliche Zone 60 bis 120 cm, soziale Zone 120 bis 26 cm und öffentliche Zone ab 360 cmEgal ob U-Bahn, Bus oder Meeting, manchmal geht es ganz schön eng zu. Wir rücken unserem Nachbarn buchstäblich auf den Leib. In vielen Räumen, in den Meetings angeboten werden, stimmen die Proportionen nicht. Riesige Tische – unbequeme und kleine Stühle. Der Tisch nimmt oft den ganzen Raum ein und lässt wenig Raum um sich zu bewegen oder mit genügend Abstand zu platzieren.

Hinzu kommt, ein weiteres Übel, dass jeder auf der Mailingliste auch murrend zum Meeting erscheint. In meinen Augen ein weiteres Argument – nicht jeder muss an jedem Meeting teilnehmen. Eine Themen, Personen und Relevanz bezogene Auswahl der Teilnehmer erscheint mir auch im Sinne der passenden Räumlichkeiten angemessen. Dann darf der Tisch etwas kleiner ausfallen und lässt mehr Platz für die Person zu.

Ein weiteres Phänomen sind auch die so genannten „Platzhirsche“. Mit diesem Begriff beziehe ich mich auf die Papier, Taschen, Stifte, Laptop und Smartphone auslegenden Vertreter unserer Gattung. Davon sind sowohl Männer wie Frauen betroffen. Raum einnehmende Personen, die keine anderen neben sich dulden um somit Ansprach auf Raum und damit Verbunden einen Machtanspruch zu äußern. Häufig gehen hier jedoch Wunsch und Realität ganz andere Wege.

Ich plädiere dafür, diesen „Platzhirschen“ einen Zaun vor die Nase zu setzen. Signalisieren Sie bis hier her und keinen Millimeter weiter. Vertreten Sie Ihren Anspruch auf Ihren Platz am Tisch. In den Augen der anderen werden Sie dann oft aufgewertet, weil Sie ihren „Mann stehen“, dem anderen die „Stirn bieten“, Raum für sich beanspruchen. Wenn ich so drüber nachdenke, wäre es mir möglich noch einige weitere Sinnbilder für und gegen den „Platzhirsch“ aufzuzählen.

Für eine ausführlichere Beschäftigung mit dem Thema „Distanz“ empfehle ich diesen Beitrag.

 

Wie soll ich meine Körpersprache in Meetings beeinflussen?

Meine Empfehlung in Bezug auf Körpersprache lautet wie auch in anderen Situationen. Ja sie ist da, ja sie ist Teil unserer Kommunikation und sie muss ihren richtigen Platz einnehmen. Körpersprache ist eine von drei Wegen zu kommunizieren. Verstehen können wir Körpersprache immer nur in Verbindung mit Ton und Wortwahl. Eine reine Analyse der Körpersprache losgelöst von der Sprache und der Intonation macht wenig bis keinen Sinn.

Ein Anfassen am Ohrläppchen, eine Streicheln durch die Haare oder eine ab- oder zugewandte Fußhaltung allein machen noch keine adäquate Analyse der Körpersprache möglich.

Nicht jede Gestik oder ein Schmunzeln erlaube uns eine tiefgründige Analyse. Dafür bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik – ähnlich wie Paul Enkman es praktiziert.

Anders sieht es jedoch bei Ihren eigenen Gestaltungsmöglichkeiten aus. Ebenso wie bei jeder Präsentation oder freiem Vortrag haben Sie einen gewissen Einfluss auf Ihre Körpersprache, Mimik und Gestik. Derer sollten Sie sich auch immer bewusst sein.

5 Schritte zur bewussteren Körpersprache

Erstens, beobachten Sie sich selbst. Wie sitzen, lehnen oder lümmeln Sie in Besprechungen.

Zweitens, beobachten Sie andere Menschen in Sitzungen. Wie ergeht es Ihnen dabei? Welche Emotionen und Reaktionen wecken bestimmte Körperhaltungen bei Ihnen als Zuhörer.

Drittens, Wiederholen Sie diese Beobachtungen bei sich selbst und dann die Reaktion von anderen auf Ihre Körpersprache.

Vierten, bewerten Sie Ihr eigenes Verhalten. In welchen Situationen haben Sie welche Reaktionen erreicht. Dabei ist es ganz egal ob diese Körperhaltung von Ihnen bewusst oder unbewusst eingesetzt wurde.

Fünftens, setzen Sie von nun an Ihre Körpersprache strategisch ein. Nach intensiver Beobachtung Ihres eigenen Verhaltens, ist es an der Zeit Ihre eigene Strategie in Bezug auf Körpersprache aufzubauen. Grundsätzlich haben Sie dabei zwei Optionen. Die eine – sie lassen alles beim Alten und machen sich keine Gedanken zur Körpersprache. Die andere, Sie lernen aus Ihren Beobachtungen, so wie es die alten Rhetoriker in der Antike bereits taten. Testen Sie die Reaktionen Ihrer Zuhörer und lassen sie ein, auf die Unterhaltung, die dabei entsteht.

Prominente Beispiele für einen bewussten Umgang mit Körpersprache waren bzw. sind Hans Rosenthal, Karl Dall oder Angela Merkel sowie Gerd Schröder.

 

Alle Beiträge dieser Blog-Serie

Hier finden sie alle Beiträge zum meiner Blogserie – Besssere Meetings – mehr erreichen in weniger Zeit.

  1. 1. Beitrag: Kommunikation ist wertvoll – Bessere Meetings
  2. Veröffentlichen Sie eine Agenda 24 h vor dem Termin
  3. selektieren Sie Teilnehmer
  4. Pünktlicher Start
  5. Agenda und Zeitplan einhalten
  6. Parkplatz einrichten
  7. Pünktlich schließen
  8. Ergebnisprotokoll erstellen
  9. Zuspätkommer ignorieren
  10. Körpersprache in Meetings bewerten

29. August 2017

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Judith Torma Goncalves ist die Rednermacherin. Die Rhetorik ist ihr Herzensthema. Als Schulsprecherin erste Auftrittserfahrungen, als AuPair den Faible für Debatten entdeckt und im Studium der Rhetorik ein Zuhause gefunden.

Seit 2003 arbeitet die Rednermacherin als Dozentin, Trainerin und Beratering

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