Unwort des Jahres 2012 >>Opfer-Abo

Seit 2008 verfloge ich intensiver die Krönung des Unwortes des Jahres.

Das Unwort des Jahres 2012 hat mich jedoch völlig überrascht – vielleicht weil es in meinem Medienkonsum gar nicht so häufig vorkommt.

Vielleicht haben ja besonders viele Bild-Leser Ihre Wünsche eingesandt und so der Wahl des Wortes Nachdruck verliehen.

Unwort des Jahres >>Opfer-Abo<<

Wer von Ihnen schließt dabei sofort auf Frauen und wer auf Jörg Kachelmann?. Beide gehören untrennbar mit diesem neuen Unwort des Jahres zusammen.

Im Herbst 2012 verwendete Jörg Kachelmann in einem Interview den Begriff >>Opfer-Abo<<. Ja natürlich bezog sich dieses Interview auf seine Liason mit Damen und den Anschuldigungen von eben diesen.

Über Twitter ist mir damals auch das Interview in die Hände gekommnen, intensiv gelesen habe ich es nicht und auch den Begriff nicht als massenwirksam wahr genommen. Wenn ich in meienr Einnerung buttele, dann kamen mir eher Gedanken  wie: Oh Herr Kachelmann, mal wieder daneben gegriffen! Schwammiger und polemischer geht es kaum.

Erkärung zur Wahl

Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Quelle

 

Sie kritisiert vielmehr einen Wortgebrauch, der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaft-lichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.Quelle

Sprache ist Handlung

Gehen wir nun von der Maxime aus, dass Sprache Handlung darstellt, so haben wir sehr komprimierte Handlung vorliegen. Abwertung von Frauen mit bestimmten Biographien und deren Hilferufe.

Negative Handlung, abwertende Handlung, menschenverachtende Handlung.

Handlung, die Frauen mal wieder in einer Schublade abglegt und dann den Schlüssel umdreht. Das >>Opfer-Abo<< wird wohl nie jemand, in diesem Fall Frauen, loswerden, die einmal damit belegt wurde. Daher begrüße ich die Präzisierung und Abwertung des Begriffs durch die Jury.

Woher stammt die Aktion >>Unwort des Jahres<<

Die sprachkritische Aktion «Unwort des Jahres» wurde 1991 von Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt am Main) ins Leben gerufen und ist seit 1994 institutionell unabhängig. Horst Dieter Schlosser war 1991-2010 Vorsitzender und Sprecher der Jury. Quelle

In den Medien wird des Unwort des Jahres sehr gern aufgenommen und verbreitet. Ich frage mich, ob dies dem Sprachverständnis und der Handlungsautonomie zuträgt.

Wie oft wird das Unwort des Jahres ohne seine Krönung verwendet?

Gerade bei so sehr negativ besetzen Begriffen frage ich mich, ob die Körnung des Unwortes ihm nicht noch mehr Aufmerksamkeit angedeihen lässt, als es denn verdient?

In meinen Seminaren und hier auf dem Blog empfehle ich „Weichemacher“ aus dem eigenen Sprachgebrauch zu streichen. Das heißt, ich vermeide Sie zu verwenden. Die Krönung solcher Unwörter des Jahres und deren Presseecho erleichert, etablieren und fördern damit den Gebrauch regel recht.

Mich interessierten an dieser Stelle Zahlen, die darüber Aufschluss lieferten, wie häufig gekrönte und ungekrönte Unwörter des Jahres gebraucht werden. Vielleicht findet sich ja Forschungsergebnisse dazu. Mich interessierten diese sehr!.

Frage an meine Leser

Wie geht es Ihnen mit dem Unwort des Jahres? Welches Unwort des Jahres haben oder hätten Sie selbst eingereicht und warum?  Hätten Sie ein anderes gewählt? Sehen Sie einen stärkeren Gebrauch der Unwörter aus den letzten Jahren? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antworten.

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Judith Torma Goncalves ist die Rednermacherin. Die Rhetorik ist ihr Herzensthema. Als Schulsprecherin erste Auftrittserfahrungen, als AuPair den Faible für Debatten entdeckt und im Studium der Rhetorik ein Zuhause gefunden.

Seit 2003 arbeitet die Rednermacherin als Dozentin, Trainerin und Beratering

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