So gehen Sie mit Unterbrechungen und Störenfriede um! positive Formulierungen

Ich bin immer wieder erstaunt, was ich so alles in Rhetorik-Ratgebern finde. Manchmal sind diese gut gemeinten Ratschläge, Schläge in meinem Rhetorikerherz .

Heute beschäftige ich mich mit einem Beitrag, den ich auf dem Blog „ Redenwelt“ fand.

Der Titel klang im ersten Moment sehr interessant: „6 Konter gegen Unterbrecher und Störer“.

Oh ja, dieses Thema wird häufig auch in meinen Seminaren nachgefragt. Einspruch gegen Unterbrechungen und Störungen – das ist ein wichtiges Thema nicht nur für Frauen. Auch Männer werden in bestimmten Situationen gut und gerne unterbrochen.

 Wo liegt der Hase im Pfeffer?

Die Beispiele, die hier angegeben werden, entsprechen dem Grundsatz der Selbstverteidigung. Dabei werden Sie jedoch direkt aus Ihrer Angriffsposition in die Defensive geschickt.

Wenn ich an anderen rum krittel, dann muss ich natürlich auch Alternativen bieten. Das werde ich tun. Daher, bleiben Sie am Ball, wir schauen uns nun die Beispiele nacheinander an.

1. „Darf ich bitte ausreden, Herr Schneider?“

„Darf ich..“ ein Weichmacher par excellence! Wollen Sie allen Ernstes im Geschäftsleben darum bitten ausreden zu dürfen? Soll Ihnen etwas ein Kollege oder schlimmer noch Ihr Vorgesetzter tatsächlich die Erlaubnis erbitten. Diese Formulierung erinnert mich stark an die Frage: „Darf ich bitte vom Tisch aufstehen, Mutti?“ Vor meinem inneren Auge sehe ich hier das typische „Gretchen Müller“. Tun Sie etwas für Ihren Auftritt. Gegen gute Manieren ist wirklich nichts einzuwenden, sich aber klein machen und das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen  – dagegen ist sehr wohl ein Kraut gewachsen.

Streichen Sie das „Darf ich…“ aus dieser Wendung und möglichst auch aus Ihrem beruflichen Wortschatz.

Voraussetzung ist, dass Sie das Luftholen ausnutzen, bzw. direkt den Störer in seiner oder ihrer Ansprache unterbrechen. Möglichst nach dem ersten Hauptsatz. Hier sind alternative Formulierungen:

  • „Danke“ übergehen Sie den Einwurf einfach. Ein Danke, in der richtigen Tonlage und mit der richtigen Gestik wirken hier Wunder. Der Sinn dahinter ist folgender: Sie schenken Ihre Aufmerksam dem Thema und den Zuhörern und nicht dem Störenfried.
  •  „Interessiert das noch jemanden außer Herrn/Frau xyz?“ Setzen Sie hier auf die Gruppendynamik. Sofern der Einwurf absurd, unpassend oder auffällig abwertend war, wird hier kaum sonst noch jemand Interesse haben negativ im Rampenlicht zu stehen.

Konstruktiver geht es auf folgende Art und Weise:

  • „Danke für Ihren Einwand, Ergänzung, Frage, Kommentar – ich komme nun zum nächsten Aspekt.“

2. „Bitte geben Sie mir Gelegenheit, den Gedankengang zu Ende zu bringen.“

Auch hier wieder typische Bittstellerformulierung. Ich gehe davon aus, dass in Ihren Besprechungen oder Gesprächsrunden einfache Grundregeln der Moderation angewandt werden. Zum Bespiel eine Rednerliste geführt wird, Sie angemessene Zeitvorgaben festgesetzt sind.

Dann bitten Sie nicht, sondern erinnern, an Ihre Redezeit bzw. Ihr Rederecht.

  • Danke, ich komme nun zum nächsten Aspekt meiner Theorie/meines Anliegens/meiner Präsentation…“
  • In meiner verbleibenden Redezeit greife ich …. auf .
  • Ich habe noch 2 Minuten Redezeit und fahre jetzt mit Option 2 fort/und stelle Ihnen nun Alternativen vor/ und zeige Ihnen nun die Auswirkungen möglicher Entscheidungen.
  • Danke für den thematischen Ausflug; kommen wir nun wieder zum Kernthema zurück.
  • Lassen Sie uns beim Thema bleiben. Folgende ...

 

3. „Eine Sekunde, Frau Meister, ich möchte die gestellte Frage vollständig beantworten.“

Dieser Satz hat sehr viel Potential – minimiert das Anliegen in der Verwendung von Weichmachern. Lassen Sie das Wort „möchte“ weg und vergleichen Sie folgende Formulierungen:

  • Eine Sekunde, Frau Meister, mir liegt daran, die gestellte Frage vollständig zu beantworten.
  • Frau Meister, einen Moment noch, mir ist es wichtig, die gestellte Frage vollständig zu beantworten.
  • Einen Moment, Frau Meister, ich beabsichtige die gestellte Frage vollständig zu beantworten. Danach lass ich mich gern auf die Diskussion mit Ihnen ein.

 

4. „Moment, Herr Müller, ich möchte mein Argument noch zu Ende führen.“

Hier ist es ganz ähnlich, eine vollwertige Aussage wird mit dem Weichmacher „möchte“ so stark zurück genommen, das es wieder eher nach einem Bitten und Betteln klingt, als einer selbstbewussten Einforderung der Redezeit.

  • Danke für Ihren Kommentar, ich gehe nun weiter in meiner Darstellung.
  • Wenn wir jetzt weiter diskutieren, vergleichen wir Birnen mit Äpfeln. Ich werde meine Argumentation nun fortführen, dann haben wir verlässliche Fakten auf dem Tisch.
  • Danke für Ihren Kommentar: Folgen wir nun weiter meiner Argumentation.

 

5. „Lassen Sie mich bitte ausreden. Ich habe Sie auch nicht unterbrochen.“

Wie du mir, so ich dir! Ohje, das funktioniert selten. Nur weil Sie höflich genug waren, Ihren Vorredner ausreden zu lassen, muss er Ihnen diesen Gefallen nicht gleich tun. Gerade wenn wir uns an Regeln halten, werden Sie von anderen oft torpediert oder ignoriert.

Alternativen sind folgende Formulierungen

  • „Danke für Ihren Kommentar. Kommen wir nun zum nächsten Punkt.“
  • „Spannender Ansatz, den Sie hier vorbringen. Lassen Sie uns das auf dem „Parkplatz“ festhalten, dann vergessen wir Ihre Gedanken nicht.“ – Nun fordern Sie einen anderen Teilnehmer oder den Störenfried selbst auf, seinen Stichpunkt auf den Parkplatz zu notieren.
  • „Ich kann verstehen, dass Ihnen dieses Thema am Herzen liegt, sonst hätten Sie mich sicherlich nicht einfach so unterbrochen. In den verbleibenden 2 Minuten stelle ich Ihnen die Sachlage dar, wie sich aus meinem Blickwinkel ergibt.“
  • Danke für Ihren Kommentar. Im Anschluss an meine Ausführungen bin ich gern bereit diesen Punkt mit Ihnen zu diskutieren.

Folgender Ratschlag verlangt viel Humor, bzw. die Fähigkeit Ironie in der eigenen Rede angemessen einzusetzen.

 

6. „Halten Sie Ihr Pulver trocken, Herr Braun. Sie haben nachher das Wort.“

Wem diese Formulierung liegt, bitte sehr. Wundern Sie sich hinterher jedoch nicht, wenn Ihnen ebenfalls Ironiespitzen vor die Füße geworfen werden. Weniger aggressiv klingen diese Formulieren.

  • Ich sehe und höre wie wichtig Ihnen dieses Thema ist. Nachdem ich meinen Standpunkt erläutert habe, freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen.
  • „Ihr Einwurf zeigt mir, wie sehr Sie dieses Thema bewegt. Nach meinen Ausführungen freue ich mich auf eine spannende Debatte mit Ihnen.
  • Heben Sie sich Ihre Argumente für die Diskussion auf. Damit wir auf dem gleichen Wissensstand sind, fahre ich nun in meiner Präsentation fort.

Ähnliches gilt auch für diesen oft gehörten Satz:

„Frau Torma, nun halten Sie einmal den Ball flach.“

Soweit ich mich erinnere, habe ich diesen Satz noch nie aus dem Mund einer Frau gehört. Mögliche Antworten sind folgende:

  • Ich gebe Ihnen einen ganzheitlichen Blick auf die Thematik. Folgernder Aspekt kommt hinzu….
  • Ich beschreibe Ihnen mögliche Optionen, und bin bemüht Sie umfassend über die Thematik zu informieren. Sobald ich meinen Vortrag beendet habe, beantworte ich gern Detailfragen.
  • Ich sehe, wie erstaunt Sie über meine Ausführungen sind. Betrachten wir erst alle Aspekte und diskutieren dann Ihre Optionen

Ich vermute, spätestens jetzt werden einige Leserinnen und Leser sagen, „sowas kann ich noch nicht sagen“. Dann frage ich zurück: „warum nicht?“

Oft wird bei mir angefragt, ob ich Schlagfertigkeitsseminare anbiete. Einmal wurde sogar ein Selbstverteidigungskurs angefragt. Beide sind für mich offene Schlägereien, die sehr häufig eskalieren. Entweder sind die Betroffenen so tief verletzt das die Kundenbeziehung oder das Verhältnis zum Kollegen stark beeinträchtig ist.

Mein Ansatz ist dabei ein anderer. Verweisen Sie auf die abgesprochenen Regeln. Auch für Kunden- und Kollegengespräche gibt es ungeschriebene und festgeschriebene Regeln. Einen anderen Menschen aussprechen zu lassen gehört in den allermeisten Fällen dazu.

Persönlicher Angriff oder Selbstverteidigung – es geht auch anders

Anstatt persönlicher Angriffe oder gut gemeinter Selbstverteidigung ist es sinnvoll und vor allem für den anderen nachvollziehbarer sich auf Regeln und Vereinbarungen zu beziehen. In Meetings, in denen keine Gesprächsregeln eingeführt und verankert sind, werden Sie hartnäckiger und genauer argumentieren.

So pflanzen Sie diese Redewendungen tief in Ihren Wortschatz ein.

Üben, üben, üben und nochmals üben. Gerade wenn „man“ ihnen bisher häufig und ungestraft übe den Mund fahren durfte, dann benötigen Sie Übung.

Setzen Sie sich nicht unter Druck und versuchen diese Formulierungen sofort im nächsten Meeting mit dem Chef aus. Tasten Sie sich lieber langsam voran und finden ihre ganz eigenen Formulierungen. Nutzen Sie dafür kleine Gespräche mit Kollegen, vielleicht beginnen Sie auch im privaten Rahmen ihre Sprache deutlicher auszurichten.

Wer so gar nicht weis, wie anfangen, der meldet sich bitte bei mir. In einem persönlichen Rede-Coaching bauen wir Ihre Wortwahl bewusst auf. Melden Sie sich bei mir. Gern auch als Kommentar zu diesem Beitrag.

Gleiches gilt für eigene Beispiele. Wie werden Sie unterbrochen, wenn Sie Unterstützung benötigen, schreiben Sie mir und wir diskutieren Ihre Anliegen gern auch hier im Blog.

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Judith Torma Goncalves ist die Rednermacherin. Die Rhetorik ist ihr Herzensthema. Als Schulsprecherin erste Auftrittserfahrungen, als AuPair den Faible für Debatten entdeckt und im Studium der Rhetorik ein Zuhause gefunden.

Seit 2003 arbeitet die Rednermacherin als Dozentin, Trainerin und Beratering

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